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Manifesto

Über das Schreiben von Software in einer geteilten Lebenswelt, die der Zeit standhält und das offene Web und andere (Lebens-)Netzwerke stärkt.

Ich arbeite an digitalen Projekten nach ein paar Überzeugungen. Sie verbinden die Werte des offenen Webs mit der Haltung des Agile Manifesto und bilden eine Art Arbeitsethik. Sie gehen von der Grundannahme aus, dass Software-Maschinen Teil unserer Lebenswelt geworden sind. Dass sie eine von vielen Formen von other-than-human-agents sind und unsere Partner in einer Koevolution, die schon länger im Gange ist.

"By the late twentieth century, our time, a mythic time, we are all chimeras, theorized and fabricated hybrids of machine and organism; in short, we are cyborgs." — Donna Haraway, A Cyborg Manifesto (1985)

Grundwerte

1. Software als Co-Akteure. Ich baue Systeme, die sich in unsere Lebenswelt einfügen und das Geflecht der Beziehungen stärken, in dem Organismen, Dinge und Ideen gemeinsam existieren; sich bewegen und miteinader verhandeln.

2. Unselfing. Die Interessen derer, mit denen ich arbeite, kommen vor meinen eigenen. Es sei denn sie sind evil.

3. Daten wollen fließen. Ich entwerfe Systeme, in denen Daten anwendungs­agnostisch und vollständig portabel sind. Keine moats, kein Lock-in, keine walled-gardens.

4. Open-Source. macht etische und funktionale Werte überprüfbar. Zudem ist offener Code eine Einladung zum Mitgestalten.

5. Qualität ist Respekt. Funktion, Verlässlichkeit, Bedienbarkeit und Performance sind die Form, in der sich der Respekt des Entwicklers ausdrückt: vor Kunden, User und vor der Welt, in die sie eingreift.

6. Counter Enshittification. Ich arbeite gegen den Verfallprozess, durch dem Plattformen und viele Firmen ihre User erst anlocken, dann ausbeuten und schließlich verkommen lassen, die sog. Enshittification.

Wie ich arbeite

In Anlehnung an die zwölf Prinzipien des Agile Manifesto, übersetzt in meine Praxis:

"What would it mean to build artificial intelligences and other machines that were more like octopuses, more like fungi, or more like forests?" — James Bridle, Ways of Being (2022)

Und warum

Ich komme aus der Philosophie und der Kultur­anthropologie (Schwerpunkt: STS). Meine Perspektive ist, dass alle Akteure (Organismen, Technologien und Ideen) innerhalb eines fluiden Verhandlungs­netzwerks miteinander existieren.

"Technology is society made durable." — Bruno Latour (1990)

Auch glaube ich nicht, dass Technologien soziale Verhältnisse neutral konfigurieren. Jede Technologie gestaltet, was Akteure können, wahrnehmen und besitzen. Somit steht für mich nicht unbedingt der Mensch im Zentrum, sondern die Lebenswelt: das Geflecht aus menschlichen und other-than-human beings, in dem auch Software und KI heute unsere Mit-Bewohner sind. Wir koevolvieren mit ihnen und verändern einander wechselseitig.